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Sechs Köpfe, ein Turm

Persönlichkeiten am Chinesischen Turm

Bauwerke haben Baudaten, aber Geschichten haben Gesichter. Diese sechs Männer haben den Chinesischen Turm und seinen Park erdacht, gebaut, geprägt, beinahe abgerissen und wieder aufgebaut. Wer sie kennt, liest den Englischen Garten wie ein Buch.

Karl Theodor (1724 bis 1799): der Kurfürst, der den Park verfügte

Karl Theodor war Kurfürst von der Pfalz und ab 1777 auch von Bayern, und die Münchner konnten ihn eigentlich nicht leiden; er galt als distanziert, und seine Tauschpläne für Bayern nahm ihm die Stadt übel. Ausgerechnet er schenkte München seinen größten Schatz: 1789 verfügte er, die Hirschau vor den Stadttoren in einen Volksgarten zu verwandeln. Kein Hofgarten für den Adel, sondern ein Park für alle Stände, eine im damaligen Europa geradezu revolutionäre Idee. Dass im neuen Garten gleich auch ein Vergnügungsbau mit Wirtschaft entstand, der Chinesische Turm, passte zum Programm: Der Park sollte benutzt werden, nicht bestaunt. Die Münchner haben das Angebot angenommen, seit 234 Jahren, jeden Tag.

Benjamin Thompson, Graf Rumford (1753 bis 1814): der Macher

Der gebürtige Amerikaner Benjamin Thompson, später geadelt als Graf Rumford, war Physiker, Sozialreformer und Organisator in bayerischen Diensten, und die treibende Kraft hinter dem Englischen Garten. Er führte die Oberaufsicht über die junge Anlage und dachte Park und Sozialpolitik zusammen: Beschäftigung, Versorgung, Erholung. Am 6. Juli 1794 lud er das Personal seines Militärarbeitshauses zum Fest in den Park, ein frühes Echo dessen, was später der Kocherlball wurde. Nebenbei erfand er den nach ihm benannten Sparherd und die Rumfordsuppe; die Rumfordstraße im Glockenbachviertel trägt bis heute seinen Namen.

Joseph Frey: der Mann mit dem Plan

Über den Militärarchitekten Joseph Frey wissen die Bücher weniger als über sein Werk, und sein Werk kennt jeder: Frey entwarf 1789 den Chinesischen Turm, eine hölzerne Pagode nach dem Vorbild der rund 50 Meter hohen Großen Pagode in den Londoner Kew Gardens, auf Münchner Maß gebracht. Fünf Geschosse, 25 Meter, geschweifte Dächer: Chinoiserie für den Volksgarten. Dass sein Turm keine stille Zierarchitektur blieb, sondern ein Wirtshausturm mit Musik, hätte den Entwurf kaum schöner bestätigen können.

Johann Baptist Lechner: der Erbauer

Papier ist geduldig, Holz nicht. Johann Baptist Lechner führte Freys Entwurf 1789/90 aus und errichtete die Pagode, die sich von 19 Metern Durchmesser am Fuß auf sechs Meter in der Spitze verjüngt, ein anspruchsvolles Stück Zimmermannskunst. Lechners Bau hielt gut 150 Jahre, bis ihn 1944 nicht das Alter, sondern der Krieg zu Fall brachte. Der Wiederaufbau von 1952 folgte seinen Formen so genau, dass Lechners Turm bis heute das Bild des Englischen Gartens prägt.

Friedrich Ludwig von Sckell (1750 bis 1823): der Beinahe-Abreißer

Die vielleicht beste Pointe der Turmgeschichte: Der Mann, der dem Englischen Garten seine heutige Gestalt gab, wollte den Turm loswerden. Friedrich Ludwig von Sckell, ab 1804 für den Park verantwortlich, formte aus der frühen Anlage die weiten Wiesen und geschwungenen Wege, die wir heute kennen; ein Meisterwerk der Landschaftsgartenkunst. Exotische Staffagen wie eine chinesische Pagode passten nicht in seine Vorstellung eines reinen Landschaftsbildes, und so schlug er in seinem Neuentwurf von 1807 vor, den Turm zu beseitigen. Er konnte sich nicht durchsetzen, die Münchner hingen zu sehr an ihrem Turm. Es blieb bei der einzigen Niederlage, für die ihm die Stadt bis heute dankbar sein darf.

Franz Zell: der Wiederaufbauer

Als der Turm im Juli 1944 ausbrannte, hätte man ihn abschreiben können; München hatte 1945 andere Sorgen als eine hölzerne Pagode. Dass es anders kam, verdankt die Stadt dem Architekten Franz Zell und den Münchnern, die den Wiederaufbau trugen. 1951/52 entstand der Turm originalgetreu neu, in Holz, nach den historischen Formen, nicht als vereinfachte Nachkriegsversion. Am 6. September 1952 wurde er wiedereröffnet. Wer heute unter den Schindeldächern sitzt, sitzt unter Zells Handwerk und Lechners Idee zugleich.

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Die ganze Baugeschichte mit interaktiver Zeitleiste steht auf der Geschichts-Seite, das Brauchtum rund um den Turm auf der Traditionen-Seite. Dieses Kapitel bauen wir weiter aus, unter anderem um die Gründer des Vereins.

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