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Unter den Kastanien · seit 1792

Biergarten am Chinesischen Turm: 7.000 Plätze unter den Kastanien

Der Biergarten am Chinesischen Turm liegt mitten im Englischen Garten in München, rund um die 25 Meter hohe Holzpagode. Mit rund 7.000 Plätzen ist er einer der größten Biergärten der Stadt. Ausgeschenkt wird hier seit dem 1. April 1792, damit ist dieser Ort älter als das Königreich Bayern und älter als das Oktoberfest. Wir sind der Chinesischer Turm e.V., der Münchner Verein, der das Brauchtum an diesem Platz pflegt. Auf dieser Seite erzählen wir, woher die Münchner Biergartenkultur kommt, warum man hier seine eigene Brotzeit auspacken darf und was diesen Biergarten von allen anderen unterscheidet.

Zur Klarstellung: Der Verein betreibt den Biergarten nicht. Bewirtschaftet wird er seit 1974 von der Haberl Gastronomie. Für Reservierungen, Öffnungszeiten und Veranstaltungsanfragen wenden Sie sich bitte direkt an den Betreiber.

Der Biergarten in Zahlen

  • Plätze: rund 7.000, einer der größten Biergärten Münchens
  • Ausschank seit: 1. April 1792
  • Bier: Hofbräu München
  • Betreiber: Haberl Gastronomie, seit 1974
  • Adresse: Englischer Garten 3, 80538 München
  • Eigene Brotzeit: im Selbstbedienungsbereich erlaubt
  • Öffnung: bei gutem Wetter Mo bis Fr ab 11 Uhr, Sa und So ab 10 Uhr

Warum man hier seine eigene Brotzeit auspacken darf

Wer zum ersten Mal in einem Münchner Biergarten sitzt und am Nebentisch eine ganze Familie Radi, Obatzda und Brezn aus dem Korb holt, hält das oft für eine Frechheit gegenüber dem Wirt. Es ist das Gegenteil: Es ist ein verbrieftes Recht, und es ist der Kern dessen, was einen echten Biergarten ausmacht.

Der Ursprung liegt in einem Reskript von König Maximilian I. vom 4. Januar 1812. Münchner Brauer durften an ihren Sommerkellern Bier ausschenken, aber ausdrücklich keine Speisen verkaufen. Der Grund war handfester Wettbewerbsschutz: Die Wirte in der Stadt liefen Sturm, weil ihnen die Gäste an die kühlen Keller vor den Toren davonliefen. Bier und Brot ja, warme Küche nein. Wer mehr wollte als Brot, musste es selbst mitbringen. Aus dieser Einschränkung wurde über Generationen eine Gewohnheit, und aus der Gewohnheit wurde Kultur.

Die Biergartenrevolution von 1995

Dass dieses Recht heute schwarz auf weiß steht, verdankt München einem Aufstand. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte der Waldwirtschaft Großhesselohe zum Lärmschutz der Anwohner einen Sperrstundenbeginn um 21.30 Uhr verordnet. Am 12. Mai 1995 gingen daraufhin rund 25.000 Münchner auf die Straße. Die Landesregierung reagierte binnen einer Woche mit einer ersten Biergartenverordnung.

Nach einem erfolgreichen Rechtsstreit bis zum Bundesverwaltungsgericht folgte am 20. April 1999 die bis heute gültige Bayerische Biergartenverordnung. Sie definiert den traditionellen Biergarten über zwei Merkmale: den Gartencharakter und die überlieferte Betriebsart, ausdrücklich einschließlich der Möglichkeit, mitgebrachte Speisen unentgeltlich zu verzehren. Traditionelle Biergärten dürfen bis 23 Uhr betrieben werden.

Praktisch heißt das am Chinesischen Turm: Brotzeit von daheim ist im Selbstbedienungsbereich willkommen, Getränke werden vor Ort gekauft. In den bedienten Bereichen mit Tischdecke gilt die Regel nicht, dort bestellt man wie im Wirtshaus.

Was diesen Biergarten von den anderen unterscheidet

München hat viele große Biergärten. Der Unterschied hier ist der Ort. Man sitzt nicht hinter einem Wirtshaus, sondern in einem Landschaftspark, um eine chinesische Pagode herum, die seit 1790 dort steht. Der Weg zum Tisch führt durch den Englischen Garten, nicht über einen Parkplatz.

Dazu kommt die Blasmusik vom Turm. An Wochenenden und bei Veranstaltungen spielen Musikanten vom Balkon der Pagode über den Biergarten, eine Tradition, die es in dieser Form nirgends sonst gibt. Und einmal im Jahr, an einem Sonntag im Juli ab sechs Uhr früh, wird aus dem Biergarten ein Ballsaal: beim Kocherlball, dem historischen Dienstbotenball, der 1904 verboten und 1989 wiederbelebt wurde.

Der Biergarten im Jahreslauf

Die Saison beginnt, sobald das Wetter es zulässt, meist im Frühjahr, und läuft bis in den Oktober. Bei schlechtem Wetter bleibt der Kiosk geöffnet. Ab Ende November verwandelt sich derselbe Platz in den Weihnachtsmarkt am Chinesischen Turm, mit Holzhütten, Eisstockbahnen und Turmbläsern. Der Turm ist also das ganze Jahr über bespielt, nur die Kulisse wechselt.

Die Geschichte hinter dem Ausschank

Der Turm entstand 1789 bis 1790, gebaut von Hofzimmermeister Johann Baptist Lechner nach Plänen des Militärarchitekten Joseph Frey, im Auftrag von Kurfürst Karl Theodor. Vorbild war die Große Pagode in den Royal Botanic Gardens in Kew bei London. Am 1. April 1792 sperrt die Gaststätte am Turm auf.

Im Juli 1944 brannte der Turm nach Bombenangriffen ab. Die Wirtshaustradition am Ort riss trotzdem kaum ab, bald wurde wieder ausgeschenkt. 1952 wurde der Turm originalgetreu wiederaufgebaut, in derselben fünfgeschossigen Holzbauweise. Die ausführliche Bauhistorie steht auf unserer Seite zur Geschichte des Chinesischen Turms.

Anfahrt zum Biergarten

Der Biergarten liegt im südlichen Englischen Garten, Englischer Garten 3, 80538 München. Die Buslinien 54 und 154 halten direkt an der Haltestelle Chinesischer Turm, die Tram 18 an der Tivolistraße. Mit der U3 oder U6 bis Giselastraße sind es etwa fünfzehn Minuten zu Fuß durch den Park. Parkplätze am Englischen Garten sind knapp, das Rad ist meist die schnellste Wahl, Ständer stehen direkt am Biergarten. Alle Verbindungen im Detail auf unserer Anfahrtsseite.

Der Verein am Turm

Der Chinesischer Turm e.V. wurde am 19. Januar 2019 gegründet und ist beim Amtsgericht München unter VR 208108 eingetragen. Wir sind ein bewusst kleiner Verein, der die bayerische Biergartenkultur an diesem Platz pflegt. Unser Stammtisch trifft sich offiziell am ersten Samstag im Monat, inoffiziell an jedem sonnigen Tag dazwischen. Unsere eigens gefertigten Keferloher mit Vereinsemblem ruhen im Eisschrank der Wirtsleute. Wer dazustoßen möchte, findet den Weg auf der Seite zur Mitgliedschaft.

Häufige Fragen zum Biergarten am Chinesischen Turm

Wie viele Plätze hat der Biergarten am Chinesischen Turm?

Rund 7.000 Plätze. Damit ist er einer der größten Biergärten Münchens, größer ist in der Stadt nur der Königliche Hirschgarten.

Darf man eigene Brotzeit mitbringen?

Ja, im Selbstbedienungsbereich. Das ist kein Entgegenkommen, sondern in der Bayerischen Biergartenverordnung vom 20. April 1999 als Merkmal des traditionellen Biergartens festgeschrieben. Getränke werden vor Ort gekauft. In den bedienten Bereichen gilt die Regel nicht.

Welches Bier gibt es am Chinesischen Turm?

Hofbräu München. Bewirtschaftet wird der Biergarten seit 1974 von der Wirtsfamilie Haberl.

Wann hat der Biergarten geöffnet?

Bei gutem Wetter Montag bis Freitag ab 11 Uhr, Samstag und Sonntag ab 10 Uhr. Bei schlechtem Wetter ist nur der Kiosk geöffnet, täglich ab 12 Uhr. Verbindlich ist die Auskunft des Betreibers.

Seit wann gibt es den Biergarten?

Die Gaststätte am Turm öffnete am 1. April 1792. Biergartenkultur besteht an diesem Ort damit seit über 234 Jahren.

Betreibt der Verein den Biergarten?

Nein. Der Chinesischer Turm e.V. ist ein Brauchtumsverein ohne gastronomischen Betrieb. Den Biergarten führt die Haberl Gastronomie.

Warum darf man in Bayern eigenes Essen in den Biergarten mitbringen?

Weil König Maximilian I. den Brauern am 4. Januar 1812 erlaubte, an ihren Kellern Bier auszuschenken, den Verkauf von Speisen aber untersagte. Wer essen wollte, brachte selbst etwas mit. Aus dieser Einschränkung wurde die bayerische Biergartenkultur.

Weiterführende Informationen

Die offizielle Seite des Betreibers findet sich unter chinaturm.de. Eine bauhistorische Darstellung des Turms bietet Wikipedia zum Chinesischen Turm in München. Hintergründe zu bayerischem Brauchtum sammeln wir auf Brauchtum München.