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Das Gefäss macht den Unterschied

Maßkrug und Keferloher

Ein Biergarten lässt sich an seinem Geschirr lesen. Der gläserne Maßkrug ist das Bild, das die Welt von Bayern hat. Der graue Keferloher ist das ältere, stillere Gefäss und der eigentliche Krug der Biergartenkultur.

Biergartenkultur

Illustration: zwei bayerische Bierkrüge, Maßkrug und Keferloher

Die Maß: ein Liter, geeicht

Die Maß ist ein Hohlmass, nicht ein Gefäss. Sie fasst heute genau einen Liter. Der Krug, aus dem sie getrunken wird, heisst Maßkrug und trägt einen Füllstrich: Er ist eichpflichtig, weil beim Ausschank eine gesetzlich bestimmte Menge verkauft wird. Der Schaum zählt dabei nicht mit.

Das Wort ist weiblich und wird kurz gesprochen, die Maß, nicht das Maß. Es hat mit dem Messen zu tun, nicht mit der Grösse des Gefässes, und deshalb gibt es sprachlich auch keine Halbe Maß, sondern die Halbe.

Der Keferloher: grau, tonnenförmig, ohne Deckel

Der Keferloher ist ein deckelloser Bierkrug aus salzglasiertem Steinzeug, tonnenförmig, mit geraden Wänden und von jenem unaufgeregten Grau, das im Biergarten nie schmutzig aussieht. Die heute geläufige Form fasst einen Liter.

Der Name kommt vom Ort Keferloh, heute ein Ortsteil von Grasbrunn östlich von München. Dort wird seit 1325 ein Jahrmarkt abgehalten, der zeitweise die grösste Menschenansammlung im Königreich Bayern war, bevor das Oktoberfest ihm den Rang ablief. Auf dem Markt wurde aus Krügen dieser Art getrunken.

Zum feststehenden Begriff wurde der Keferloher aber erst Ende der 1870er Jahre. Die Bezeichnung geht auf den Brauereikreis um Georg Pschorr zurück, der den deckellosen Steinzeugkrug mit dem volkstümlichen Ortsnamen verband. In der Grossgastronomie setzte sich der Name innerhalb weniger Jahre durch.

Die älteren, in Keferloh selbst ausgegrabenen Krüge waren übrigens noch etwas anderes: Irdengut mit Bleiglasur, hell rot-orange, mit einem Volumen um 1.100 Milliliter. Das graue Steinzeug kam später.

Warum Steinzeug im Biergarten Sinn ergibt

Temperatur
Steinzeug ist dickwandig und hält das Bier länger kühl als Glas. Im Schatten der Kastanien war das die einzige Kühlung, die es gab.
Licht
Undurchsichtiges Steinzeug schützt das Bier vor Sonnenlicht. Das ist keine Nostalgie, sondern Geschmacksschutz.
Haltbarkeit
Ein Keferloher übersteht Anstossen und Steintische, an denen Glas zerspringt.
Gewicht
Voll wiegt er deutlich mehr als ein Glaskrug. Das ist der Preis, und für manche der Reiz.

Der Keferloher des Vereins

Der Chinesischer Turm e.V. hat eigens angefertigte Keferloher mit dem Vereinsemblem. Sie sind kein Souvenir, sondern Gebrauchsgegenstand am Stammtisch: Wer dazugehört, trinkt aus dem Krug des Vereins. Damit hält der Verein eine Form am Leben, die in den meisten Biergärten längst dem Glas gewichen ist.

Wie man einen Maßkrug hält

Nicht am Bauch, sondern am Henkel, mit der ganzen Hand, Daumen oben auf. Die Hand am Glas wärmt das Bier; ausserdem hält der Henkel ein volles Kilogramm plus Krug besser aus als eine Umklammerung. Beim Anstossen trifft Boden auf Boden oder der dickste Punkt der Wandung, nie der Rand. Ein gesprungener Rand macht den Krug unbrauchbar und ist im Biergarten ein hörbarer Fauxpas.

Häufige Fragen

Wie viel fasst ein Maßkrug?

Einen Liter. Der Maßkrug ist eichpflichtig und trägt einen Füllstrich, der Schaum zählt nicht mit.

Was ist ein Keferloher?

Ein deckelloser, tonnenförmiger Bierkrug aus grauem salzglasiertem Steinzeug. Benannt nach dem Ort Keferloh bei München, wo seit 1325 ein Jahrmarkt stattfindet.

Woher kommt der Name Keferloher?

Vom Ort Keferloh, heute Ortsteil von Grasbrunn. Als Bezeichnung für den Krug setzte sie sich Ende der 1870er Jahre durch, ausgehend vom Brauereikreis um Georg Pschorr.

Heisst es die Maß oder das Maß?

Die Maß, mit kurzem a. Das Wort bezeichnet das Hohlmass von einem Liter, nicht das Gefäss. Das Gefäss ist der Maßkrug.

Warum hält Steinzeug das Bier kühler als Glas?

Weil die dicke Wandung Wärme langsamer durchlässt und das undurchsichtige Material das Bier zusätzlich vor Sonnenlicht schützt.

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