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Warum der Garten ein Garten ist

Warum im Biergarten Kastanien stehen

Die Rosskastanie ist kein Zierbaum. Sie steht im Biergarten, weil sie einmal die Kühlung war, und der ganze Biergarten ist die Nebenwirkung dieser Kühlung.

Biergartenkultur

Illustration: zwei Rosskastanien, die Bäume des bayerischen Biergartens

Bier war ein Winterprodukt

Vor der Kältemaschine liess sich Bier im Sommer nicht zuverlässig brauen. Die untergärige Hefe braucht niedrige Temperaturen; im warmen Sudhaus kippte der Sud. Bayern zog daraus die naheliegende Konsequenz und untersagte das Brauen in der warmen Jahreszeit. Gebraut wurde im Winterhalbjahr, das im Frühjahr eingelagerte, stärker eingebraute Märzenbier musste bis in den Herbst reichen.

Der Keller unter dem Baum

Damit das Lagerbier den Sommer überstand, gruben die Brauer tiefe Bierkeller an den Isarhängen und im Kies der Stadt, füllten sie im Winter mit Eis aus den zugefrorenen Weihern und deckten sie ab. Und sie pflanzten Bäume darüber.

Die Rosskastanie war dafür die richtige Wahl, aus zwei Gründen:

Das Laubdach
Sie treibt früh aus, wirft ein dichtes, grossflächiges Blattdach und hält die Sonne vom Boden fern, genau in den Monaten, in denen der Keller kühl bleiben musste.
Das Wurzelwerk
Sie wurzelt flach und breit statt tief. Die Gewölbe der Keller darunter bleiben unversehrt. Ein Baum mit Pfahlwurzel hätte sie gesprengt.

Vom Keller zum Garten

Auf dem beschatteten Kies über den Kellern standen Tische. Die Brauer verkauften ihr Bier direkt dort, wo es lagerte, kühl und ohne Transportweg. Speisen gab es keine; die Wirte der Stadt setzten sich erfolgreich dagegen zur Wehr, dass die Brauereien ihnen auch noch das Essensgeschäft wegnahmen. Wer am Keller sitzen und essen wollte, brachte deshalb selbst mit.

Damit ist die Herkunft des Brotzeitrechts geklärt: Es ist kein Zugeständnis der Neuzeit, sondern der Rest eines alten Interessenausgleichs zwischen Brauern und Wirten. Der Biergarten war von Anfang an ein Ort, an dem man Bier kauft und Essen mitbringt.

Am Chinesischen Turm

Der Biergarten am Chinesischen Turm hat keinen Bierkeller unter sich. Er ist der andere Ursprungstyp: eine Wirtschaft im Park, eröffnet am 1. April 1792, zwei Jahre nach der Fertigstellung des Turms. Die Kastanien stehen hier also nicht über einem Keller, sondern weil sie inzwischen zum Bild gehören und weil ihr Laubdach im Juli über 7.000 Plätzen dasselbe leistet wie einst über dem Eis: Es macht die Hitze erträglich.

Das ist der Grund, warum die Bayerische Biergartenverordnung den Gartencharakter mit erheblicher Bepflanzung verlangt. Ohne Bäume kein Biergarten, auch juristisch nicht.

Was der Kastanie heute zusetzt

Die Rosskastanie steht unter Druck. Die Kastanienminiermotte lässt das Laub schon im Hochsommer braun werden, dazu kommen Trockenjahre und verdichteter Boden unter Tausenden Füssen. Wer im August unter braunem Laub sitzt, sieht keinen kranken Baum im Herbst, sondern einen Befall. Der Erhalt dieser Bäume ist deshalb kein gärtnerisches Detail, sondern eine Voraussetzung dafür, dass der Biergarten bleibt, was er ist.

Häufige Fragen

Warum stehen im Biergarten Kastanien?

Weil Rosskastanien früher die Bierkeller beschatteten. Ihr dichtes Laubdach hielt die Keller im Sommer kühl, und ihr flaches Wurzelwerk beschädigte die Gewölbe nicht.

Was ist ein Biergarten?

Ein Ausschank im Freien mit Gartencharakter, in dem nach bayerischer Tradition die mitgebrachte eigene Brotzeit verzehrt werden darf. Beide Merkmale zusammen kennzeichnen den traditionellen Biergarten.

Warum durfte man früher im Sommer kein Bier brauen?

Weil untergärige Hefe niedrige Temperaturen braucht und der Sud in der Wärme verdarb. Gebraut wurde im Winterhalbjahr, das Märzenbier musste den Sommer über reichen.

Warum darf man im Biergarten eigenes Essen mitbringen?

Weil die Brauer an ihren Kellern nur Bier ausschenken durften und die Wirte das Speisegeschäft für sich behielten. Wer am Keller essen wollte, brachte selbst mit. Daraus wurde das heutige Brotzeitrecht.

Warum ist das Kastanienlaub schon im Sommer braun?

Meist wegen der Kastanienminiermotte, deren Larven die Blätter von innen zerstören. Trockenheit und verdichteter Boden verstärken den Effekt.

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