Der Korb und was hineingehört
Die Brotzeit im Biergarten
Die Brotzeit ist die praktische Seite des Brotzeitrechts. Sie ist kein Picknick, sondern eine eigene Mahlzeitform mit festem Repertoire, eigenen Handgriffen und einer klaren Ordnung am Tisch.
Biergartenkultur
Brotzeit heisst wörtlich, was sie ist: Zeit für Brot. Keine warme Küche, keine Gänge, kein Besteckwechsel. Ein Brettl, ein Messer, und alles andere kommt aus dem Korb. Im Biergarten ist sie die Regel und nicht die Ausnahme, weil das Brotzeitrecht sie ausdrücklich schützt.
Das Repertoire
Radi
Der weisse Bierrettich ist das Wahrzeichen der Biergartenbrotzeit. Er wird mit dem Radihobel oder freihändig in eine durchgehende Spirale geschnitten, gesalzen und stehen gelassen, bis er Wasser zieht. Das nimmt ihm die Schärfe. Dass der Radi zum Weinen bringt, ist ein Spruch mit Wahrheitskern: Das Salzen wurde früher scherzhaft mit dem Weinen des Wirtes über den verschenkten Platz erklärt.
Obazda
Reifer Camembert, Butter, Zwiebel, Paprikapulver und ein Schuss Bier, mit der Gabel zerdrückt, bis eine streichfähige Masse entsteht. Der Name kommt vom Zerdrücken selbst. Er ist die klassische Verwertung von Käse, der zu weit gereift ist, und damit ein Gericht aus Sparsamkeit, das zur Delikatesse wurde.
Brezn
Gross, laugengebacken, aussen dunkel, innen weich, mit Salz. Sie wird nicht geschnitten, sondern gebrochen. Im Biergarten wird sie oft von der Brezenfrau am Tisch verkauft, was streng genommen keine mitgebrachte Brotzeit mehr ist, aber zur Ordnung des Ortes gehört.
Wurstsalat
Streifen von Lyoner oder Regensburger, Zwiebelringe, Essig, Öl, oft Gurke. Kalt, sauer, sättigend. Die schweizerische Variante mit Käse heisst entsprechend Schweizer Wurstsalat.
Steckerlfisch
Makrele oder Saibling, aufgespiesst, gesalzen, über Holzkohle gegrillt. Der Steckerlfisch ist die Ausnahme von der kalten Regel und wird vor Ort gekauft, weil er heiss auf den Tisch muss.
Was der Korb ausserdem braucht
- Brettl und Messer
- Ein Holzbrett und ein scharfes Messer ersetzen jedes Geschirr.
- Salz
- Für den Radi unverzichtbar. Wer es vergisst, geht betteln.
- Tischtuch
- Kariert, blau-weiss oder rot-weiss. Es markiert den eigenen Platz, ohne ihn zu besetzen.
- Serviette
- Stoff, keine Papierrolle. Der Wind im Biergarten ist unerbittlich.
- Was nicht hineingehört
- Eigene Getränke. Die werden im Biergarten gekauft, das ist die andere Hälfte der Abmachung.
Die Ordnung am Tisch
Die Brotzeit gehört an die Tische ohne Tischtuch. Dort wird selbst geholt, selbst abgeräumt und das Geschirr an der Rückgabe abgegeben. Wo ein Tischtuch liegt, wird bedient, und dort wird auch bestellt.
Ein Biergartentisch ist gemeinschaftlich. Wer vier freie Plätze an einem Zehnertisch findet, setzt sich dazu, fragt kurz und bekommt Platz gemacht. Das Reservieren ganzer Tische durch ausgebreitete Jacken gilt als unfein.
Weiterlesen
Wie die bayerische Esskultur über den Biergarten hinaus aussieht, von der Weisswurst bis zum Reinheitsgebot, steht ausführlich auf brauchtum-muenchen.de. Hier geht es um das, was im Biergarten auf dem Brettl landet.
Häufige Fragen
Was gehört zu einer bayerischen Brotzeit?
Klassisch sind Radi, Obazda, Brezn, Wurstsalat und Steckerlfisch, dazu Brettl, Messer, Salz und ein kariertes Tischtuch.
Wie schneidet man einen Radi richtig?
Mit dem Radihobel oder freihändig in eine durchgehende Spirale, dann salzen und ziehen lassen, bis er Wasser zieht. Das nimmt ihm die Schärfe.
Was ist Obazda?
Eine streichfähige Käsezubereitung aus reifem Camembert, Butter, Zwiebel, Paprikapulver und etwas Bier. Der Name kommt vom Zerdrücken der Zutaten.
Darf man eigene Getränke in den Biergarten mitbringen?
Nein. Das Brotzeitrecht umfasst nur Speisen. Getränke werden im Biergarten gekauft.
Wo darf man die mitgebrachte Brotzeit essen?
An den Tischen ohne Tischtuch, also im Selbstbedienungsbereich. An den bedienten Tischen wird bestellt.