Gelebtes Brauchtum im Englischen Garten
Traditionen am Chinesischen Turm
Der Chinesische Turm ist mehr als ein schönes Fotomotiv. Er ist seit über 230 Jahren der Ort, an dem München sein Brauchtum lebt: mit Blasmusik aus dem ersten Stock, mit Tracht und Stammtisch, mit dem Kocherlball im Sommer und dem Christkindlmarkt im Winter. Diese Seite erklärt die Traditionen am Turm, so wie unser Verein sie pflegt und erlebt.
- Blasmusik
- Sommer, Sonn- und Feiertage, im ersten Stock des Turms; bei schönem Wetter auch mittwochs und freitags
- Stammtisch
- Jeden ersten Samstag im Monat, 15 Uhr, am Chinesischen Turm
- Kocherlball
- Jährlich am dritten Juli-Sonntag ab 6 Uhr früh, nächster Termin: 18. Juli 2027
- Karussell
- Historisches Kinderkarussell von 1913, in Betrieb Mitte April bis Mitte September
- Weihnachtsmarkt
- Jährlich in der Adventszeit rund um den Turm
Blasmusik vom Turm: das Klangbild des Englischen Gartens
Es gibt Orte, an denen die Musik von oben kommt. Am Chinesischen Turm ist das wörtlich zu nehmen: Im ersten Stock der Holzpagode sitzt an Sommer-Sonn- und Feiertagen eine Blaskapelle und spielt über den Biergarten hinweg, bei schönem Wetter auch mittwochs und freitags. Im Wechsel treten hier die Kapelle Rossbachtaler und die Thoma Blasmusik auf, mit Polka, Walzer, Märschen und dem, was ein bayerischer Biergartennachmittag eben verlangt.
Die Tradition ist älter als jede heutige Kapelle: Schon im Biedermeier, in den Jahrzehnten um 1830, wurde am Turm mehrmals in der Woche zur Tanzmusik aufgespielt, oft von Militärkapellen. Der Turm war nie ein stiller Aussichtsbau, er war von Anfang an Bühne. Dass die Musiker über den Köpfen der Gäste sitzen, hat einen praktischen Grund: So trägt der Klang über die rund 7.000 Plätze des zweitgrößten Biergartens Münchens, ganz ohne Verstärker. Mehr zum Biergarten selbst auf unserer Biergarten-Seite.
Stammtischkultur: der erste Samstag gehört dem Turm
Ein Stammtisch ist die bayerische Grundform des Vereinslebens: fester Ort, feste Zeit, offene Runde. Unser Verein hält es seit der Gründung 2019 so, jeden ersten Samstag im Monat um 15 Uhr am Chinesischen Turm. Da sitzt der Professor neben dem Handwerker, die Studentin neben dem Stammgast, und über die Jahre ist aus dieser Mischung ein eingetragener Verein geworden, der das Brauchtum am Turm pflegt.
Wer die Stammtischkultur kennenlernen will, kommt einfach vorbei. Eine Maß, ein Ratsch, dann sieht man, ob es passt. Alles Weitere auf der Stammtisch-Seite.
Tracht: vom Alltagsgewand zum Festtagsstaat
Tracht ist am Chinesischen Turm keine Verkleidung, sondern Normalität. An einem gewöhnlichen Sommerwochenende sehen Sie im Biergarten Lederhosen und Dirndl in allen Varianten, vom geerbten Stück bis zum ersten eigenen Gwand. Zu den Festen des Jahres, allen voran dem Kocherlball, kommt die historische Dimension dazu: Dienstbotenkleidung der Jahrhundertwende, bürgerlicher Sonntagsstaat, Hauben und Zylinder.
Wer sich der Tracht nähern will, kann dabei wenig falsch machen: Es gibt kein Reglement, nur Gepflogenheiten. Ehrlich getragen ist jede Tracht richtig. Ausführliche Tracht-Hinweise für den Ball des Jahres stehen auf unserer Kocherlball-Seite.
Der Kocherlball: Münchens frühester Tanz
Die größte Tradition am Turm hat eine eigene Seite verdient: der Kocherlball, der historische Dienstbotenball, der um 1880 seine Blütezeit erlebte, 1904 verboten wurde und seit 1989 jeden dritten Juli-Sonntag ab 6 Uhr früh Tausende in Tracht in den Englischen Garten holt. Geschichte, Tracht-Ratgeber, Tänze und Termine: alles auf der Kocherlball-Seite.
Der Maibaum: weiß-blaues Brauchtum
Zum bayerischen Brauchtumsjahr gehört der Maibaum, und München pflegt diese Tradition in fast jedem Stadtteil. Ein Maibaum zeigt mit seinen Zunfttafeln, wer im Viertel arbeitet und lebt; das Aufstellen am 1. Mai ist ein Fest mit Blasmusik, Tanz und ordentlich Kraftaufwand. Wie das Maibaum-Brauchtum in München funktioniert, vom Bewachen bis zum Maibaumkraxeln, erklärt ausführlich das Portal maibaum-muenchen.de aus unserem Vereinsumfeld.
Das historische Karussell: seit 1913 dreht es sich
Ein paar Schritte vom Turm entfernt steht eine der charmantesten Traditionen des Englischen Gartens: das historische Kinderkarussell von 1913. Der Bildhauer Joseph Erlacher und der Dekorationsmaler August Julier schufen einen zwölfeckigen Pavillon voller handgeschnitzter Tiere; neben Pferden drehen sich hier Giraffe, Flamingo, Kamel, Storch, Steinbock, Hirsch und Schwan, dazu Schlitten und Kutschen für die Kleinsten. 1931 wurde der Antrieb elektrifiziert, seit 1977 gehört das Karussell dem Freistaat Bayern, seit 1979 steht es unter Denkmalschutz.
Gefahren wird von Mitte April bis Mitte September, nachmittags. Drei Generationen Münchner sind hier schon im Kreis geritten, und wer als Kind auf dem Flamingo saß, setzt heute die eigenen Kinder darauf. Genau so funktioniert Tradition.
Der Christkindlmarkt: Brauchtum im Winter
Wenn der Biergarten in die Winterpause geht, wird es am Turm nicht still: In der Adventszeit findet rund um die Pagode jährlich ein Weihnachtsmarkt statt, mit Ständen unter den kahlen Kastanien und dem beleuchteten Turm als Mittelpunkt. Für viele Münchner der stimmungsvollste Christkindlmarkt der Stadt, weil er im Park liegt statt zwischen Häuserzeilen. Mehr dazu auf unserer Weihnachtsmarkt-Seite.
Häufige Fragen zu den Traditionen
Wann spielt die Blasmusik am Chinesischen Turm?
Im Sommer an Sonn- und Feiertagen im ersten Stock des Turms, bei gutem Wetter auch mittwochs und freitags. Es wechseln sich die Kapelle Rossbachtaler und die Thoma Blasmusik ab.
Seit wann gibt es Musik am Turm?
Seit den Anfängen: Bereits in der Biedermeierzeit um 1830 wurde am Turm mehrmals wöchentlich zur Tanzmusik aufgespielt.
Was ist das für ein Karussell am Chinesischen Turm?
Ein historisches Kinderkarussell von 1913 mit handgeschnitzten Tierfiguren von Joseph Erlacher, seit 1979 denkmalgeschützt. Es fährt von Mitte April bis Mitte September.
Kann ich beim Verein mitmachen?
Ja. Kommen Sie zum Stammtisch am ersten Samstag im Monat um 15 Uhr, oder lesen Sie auf der Ehrenamt-Seite, wie Sie sich einbringen können.