Die Idee hinter dem Park
Der englische Landschaftsgarten
Der Englische Garten heisst nicht so, weil Engländer ihn angelegt hätten, sondern weil er einer Gartenlehre folgt. Diese Lehre war politisch, bevor sie schön war.
Englischer Garten
Zwei Gartenauffassungen
Der französische Barockgarten von Versailles ordnet die Natur: Achsen, Symmetrie, geschnittene Hecken, ein Mittelpunkt, von dem aus alles zu überblicken ist. Der Garten zeigt, dass der Herrscher die Natur beherrscht.
Der englische Landschaftsgarten des 18. Jahrhunderts kehrt das um. Er arbeitet mit geschwungenen Wegen, offenen Wiesen, freien Baumgruppen, Wasserläufen, die natürlich wirken sollen. Es gibt keinen Punkt, von dem aus man alles sieht. Man muss gehen, um den Garten zu erfahren.
Die Regeln der Schule
- Keine Achsen
- Wege schwingen, damit sich Ausblicke nacheinander öffnen statt auf einen Schlag.
- Szenen statt Übersicht
- Der Park ist eine Folge von Bildern, die der Gehende durchschreitet.
- Staffagebauten
- Einzelne Bauwerke geben den Szenen ihr Thema: ein Rundtempel, eine Pagode, eine Klause. Der Chinesische Turm und der Monopteros sind genau das.
- Verborgene Grenzen
- Gräben statt Mauern, damit der Blick über die Parkgrenze hinaus in die Landschaft läuft.
- Wasser als Bewegung
- Bäche und Seen wirken gefunden, nicht gebaut. Beim Kleinhesseloher See ist genau das Absicht.
München, 13. August 1789
An diesem Tag ordnete Kurfürst Karl Theodor per Dekret an, das Gelände an der Isar in einen Volkspark umzuwandeln. Das Wort ist entscheidend. Anderswo entstanden Landschaftsgärten als Fürstengärten; hier war der Park von Anfang an für die Allgemeinheit gedacht.
Der Antrieb dahinter kam von Benjamin Thompson, Graf Rumford (1753 bis 1814), einem in Nordamerika geborenen Physiker und Erfinder in bayerischen Diensten. Er dachte den Park als militärischen und zugleich bürgerlichen Nutzgarten, mit ausdrücklich sozialer Absicht.
Die gestalterische Durchbildung leistete Friedrich Ludwig von Sckell (1750 bis 1823), der bedeutendste deutsche Gartenkünstler seiner Zeit. Er löste die anfangs noch strengeren Strukturen auf und gab dem Park jene weiten Wiesen und lockeren Baumgruppen, die ihn heute prägen.
Der Park in Zahlen
- Fläche
- rund 375 Hektar, 3,75 Quadratkilometer
- Aufteilung
- Südteil rund 130 Hektar, Nordteil rund 245 Hektar
- Ausdehnung
- Südteil etwa zwei Kilometer, Nordteil etwa drei Kilometer Länge
- Wegenetz
- 78 Kilometer
- Besucher
- rund fünf Millionen im Jahr
- Eröffnung
- Dekret vom 13. August 1789
Warum das für den Turm zählt
Der Chinesische Turm ist kein Zufallsbau. Er ist das erste grosse Staffagebauwerk dieses Parks, fertig 1790, und er bekam mit der Wirtschaft von 1792 die gesellige Funktion, die die Gartentheorie ihm zugedacht hatte. Dass hier heute 7.000 Leute nebeneinander sitzen, ist die Fortsetzung des Gedankens von 1789 mit anderen Mitteln.
Häufige Fragen
Warum heisst der Englische Garten so?
Weil er der englischen Schule der Gartenkunst folgt, mit geschwungenen Wegen, offenen Wiesen und freien Baumgruppen, im Gegensatz zum achsensymmetrischen Barockgarten.
Wann wurde der Englische Garten gegründet?
Am 13. August 1789 ordnete Kurfürst Karl Theodor per Dekret an, das Gelände in einen Volkspark umzuwandeln.
Wie gross ist der Englische Garten?
Rund 375 Hektar, also 3,75 Quadratkilometer, mit 78 Kilometern Wegenetz und etwa fünf Millionen Besuchern im Jahr.
Wer hat den Englischen Garten gestaltet?
Die Idee ging auf Benjamin Thompson, Graf Rumford, zurück. Die gestalterische Durchbildung leistete Friedrich Ludwig von Sckell.
Was ist ein Staffagebau?
Ein Bauwerk im Landschaftsgarten, das einer Szene ihr Thema gibt, etwa ein Rundtempel, eine Pagode oder eine künstliche Ruine.